Hingucker auf jeder Käseplatte

Der Morbier ist ein Käse, der an jeder Käsetheke leicht zu erkennen ist. Mitten durch den Käselaib zieht sich eine waagerechte blauschwarze Schicht von Pflanzenasche: ein markantes Merkmal, hinter dem eine interessante Geschichte steckt.

Käseregion Jura
Im französischen Département Haut-Doubs, in der Region Franche-Comté nicht weit von der schweizerischen Grenze entfernt, liegt die Gemeinde Morbier, die diesem Käse ihren Namen gegeben hat. Die Mittelgebirgslandschaft entlang des Flusses Doubs an den westlichen Abhängen des Jura-Gebirges war schon zu den Zeiten, als die Römer noch Gallien besetzten, für ihre Milchwirtschaft bekannt. Seit dem 18. Jahrhundert wird im Franche-Comté nachweislich Morbier hergestellt. Seine Entstehung wurde aus der Not geboren.

Die Frischhaltetricks der Bergbauern
Die Bergbauern lieferten damals ihre Milch von den meist einsam gelegenen Höfen in die Städte, wo daraus große Käselaibe namens Comté hergestellt wurden. Im Winter aber waren die Wege meist unpassierbar, und auf den Almen wurden nur wenige Kühe zur Selbstversorgung gehalten. So wurden aus der Milch gleich nach dem Melken kleine Käselaibe hergestellt, um die bäuerliche Speisekammer zu füllen. Da der aus der Morgenmilch gewonnene Käsebruch aber nur für einen halben Käse ausreichte, musste man ihn vor Austrocknung, Verunreinigung und Ungeziefer schützen und bestreute ihn mit gesiebter Pflanzenasche. Mit dem Käsebruch aus der Abendmilch wurde die Form dann aufgefüllt. So wurde der Morbier früher nur für den Eigenbedarf produziert und war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum im Handel erhältlich.

Asche für die Optik
Heute wird der Morbier nicht mehr zweimal gekäst, sondern einfach in der Mitte aufgeschnitten, aus optischen Gründen mit der Ascheschicht versehen und wieder zusammengepresst. Aber keine Sorge: Die Pflanzenasche stammt nicht mehr wie damals aus dem Kamin, sondern besteht aus Holz, Torf und Kokosnussschalen und ist für den Verzehr geeignet. Auch sonst gelten für die Herstellung des Morbier, der durch das AOC-Gütesiegel und EU-Richtlinien geschützt ist, strenge Regeln. Er darf nur in zwei Départements und bestimmten Gemeinden hergestellt werden. Die verwendete Rohmilch stammt ausschließlich von Rindern der Rasse Montbéliarde Simmental Française, die wiederum nur mit regionalen Gräsern und Kräutern, nicht mit Silage und Heu aus Folien, gefüttert werden dürfen. So entsteht ein delikater Käse, der weich und cremig ist und mit einem sahnig-fruchtigen Geschmack überzeugt. Je länger und sorgfältiger die Reifung erfolgt, desto herzhafter wird er.

Infos

Rinde bitte mitessen
Der Morbier wird während seiner mindestens 45-tägigen Reifezeit ausschließlich mit Salzwasser eingerieben, dem gegebenenfalls Milchfermente zugesetzt werden. Seine Naturrinde ist glatt, gleichmäßig und beige bis leicht orange und vervollkommnet den Genuss.

Zum Dahinschmelzen
Durch seine dekorative Ascheschicht sieht der Morbier auf einer Käseplatte sehr attraktiv aus. Der halbfeste Schnittkäse hat einen Fettgehalt von mindestens 45 Prozent in der Trockenmasse und daher sehr gute Schmelzeigenschaften, sodass er sich auch bestens zum Überbacken und fürs Raclette eignet.

Im Gemüsefach lagern
Der Morbier wird am besten im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert. Er sollte nicht zu kalt serviert werden.